Vinzenz von Paul

Ein Name steht für ein Programm, schafft Unverwechselbarkeit, steht für
bestimmte Werte, Leitideen, Konzepte, Visionen und ist Ausdruck für eine besondere Beziehung.
Der Arbeit in der Vinzenz von Paul Schule liegt von Beginn an das Verständnis vom Menschen zu Grunde, wie es sich in der Person Jesu Christus konkretisiert und lebendig wird in der spezifischen vinzentinischen Prägung dieser Schule.
Vinzenz von Paul war von Haus aus eigentlich kein Pädagoge. Er machte in seiner Arbeit Ernst mit der Glaubensgewissheit, dass die Menschwerdung Gottes sich bis in unsere Tage hinein vollzieht, weil Gott uns in jedem einzelnen Menschen begegnet. Daraus leitete er für sich ab, Menschenfreundlichkeit und Zugewandtheit Gottes in all seinem Tun und Wirken sichtbar werden zu lassen. Diese Gewissheit und dieser Auftrag ist Grundlage der pädagogischen Arbeit mit den jungen Menschen in der Vinzenz von Paul Schule, die sich für den Beruf der Erzieherin und des Erziehers entschieden haben. In der Ausbildung und im Schulleben findet das Ausdruck in dem Bemühen, Menschen in der Entfaltung ihrer Möglichkeiten zu unterstützen und sie zu befähigen, ihrerseits menschliches Miteinander sinnerfüllt und sozial verantwortlich zu gestalten.

Wer war Vinzenz von Paul?  

1581 wurde er als Sohn eines einfachen Bauern in  Südfrankreich geboren. Er studierte, wurde 1600 zum Priester geweiht und führte bis 1608 ein eher abenteuerliches Leben auf der Suche nach geistlicher und materieller Sicherheit. Durch eigene leidvolle Erfahrungen, eine tiefe Glaubenskrise, die große Armut und Not im Paris seiner Zeit und die Begegnung mit engagierten Geistlichen erkannte er seine Berufung und wandelte sich zu einem hingebungsvollen Lehrer, Seelsorger, Fürsorger und Kritiker unmenschlicher Lebensbedingungen. 1617 gründete er eine caritative Frauenvereinigung, die sich Armer, Kranker, Vertriebener und Waisen annahm. 1633 entstand mit der Unterstützung von Louise von Marillac aus diesen Frauengruppen die „Gemeinschaft der Töchter der christlichen Liebe“. Dies war die Geburtsstunde der Gemeinschaft der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul.

Der Geist der Genossenschaft besteht darin, sich Gott hinzugeben, um unseren Herren zu lieben und ihm in der Person der Armen leibliche und geistige Dienste zu leisten. Wer sich das Leben Jesu vor Augen führt, findet das gleiche im Leben einer Barmherzigen Schwester wieder. Worin besteht also der Geist der Barmherzigen Schwestern? In der Liebe unseres Herren, in der Liebe zu den Armen, in der Liebe zueinander. Diese drei Punkte umschließen das Wesentliche ihres Geistes.“
(Vinzenz von Paul, 1653)

1660 starb Vinzenz von Paul.1737 wurde Vinzenz von Paul heilig gesprochen.
Vinzenz von Paul gilt als Gründer der neuzeitlichen Caritas. Dom Helder Camara bezeichnete ihn als „sozialen Vorkämpfer des 17. Jahrhunderts“. Er war unbequem, unkonventionell, zupackend, mutig, hoffnungsvoll aus der Gewissheit heraus, dass „Gott uns zu Helfern seiner unendlichen Liebe erwählt hat. Er will, dass sich diese Liebe in der ganzen Welt ausbreitet und um sich greift“ (Vinzenz von Paul).

Die Zeiten haben sich geändert – und doch wiederum auch nicht: Armut, Krankheit, Vertreibung, Ausbeutung, ethische, gesellschaftliche, materielle und seelische Not sind auch im 21. Jahrhundert so aktuell wie vor 350 Jahren, genauso aktuell wie Vinzenz von Pauls Botschaft, Auftrag und Vorbild.
In Duderstadt sind es die Ordensfrauen in St. Martini und in der Vinzenz von Paul Schule, gemeinsam mit ihren Mitarbeitern, die diese Idee weitertragen und sie in ihrer Arbeit mit Menschen lebendig werden lassen.

„Hochachtung bewegt den Willen zur Liebe. Sie weckt jene Ehrerbietung und Zuneigung, die man dem Mitmenschen schuldet, und gibt sich kund in allem, was man spricht und tut.“ (Vinzenz von Paul)